Die Lage ernst nehmen und auf keinen Fall die eigenen Eltern besuchen. Bild: Pixabay.

COVID 19 – wie geht es weiter?

Von Wolf Hautz


Freitag, 20. März 2020 17:24


Heute stellen wir zwei Webseiten vor, die sehr gut erklären, weshalb wir einen langen und konsequenten Lockdown brauchen. Und warum wir in nächster Zeit alle darauf verzichten sollten, unsere Eltern zu besuchen.

Der Artikel erklärt anhand von vier sehr simplen, aber eindrucksvollen Simulationen, warum es den Lockdown braucht und wie er wirkt. Es reicht, jeweils zu den Simulationen zu springen und den Absatz zu überfliegen, um es zu verstehen.

Die zweite Website ist komplizierter: Diese Seite kommt von einer Forschungsgruppe am Biozentrum der Universität Basel. Man kann einfach mal oben links ein Land wählen und dann auf «RUN» klicken.

Wenn man das für Italien, Deutschland oder die Schweiz versucht, wird man feststellen, dass die simulierten Daten (die Linien) sehr nahe bei den beobachteten Daten (die Punkte) liegen.
Wenn man genauer hinschaut, sieht man auch, dass die Y-Achse links nicht linear, sondern logarithmisch ist: 10, 100, 1000, nicht 10, 20, 30.

Wichtig sind die rote und die lachsfarbene Linie: die Patienten, die kritisch krank sind (= Intensivstation und Beatmung, rot) und die, die schwer krank sind (reicht hier Spital oder muss es eine Überwachungsstation sein?).

Und dann gibt es noch zwei horizontal verlaufende graue Linien: die obere ist die Kapazität aller Krankenhäuser, die untere die Intensivbettenkapazität. Und wenn man sich die Simulation dann so anschaut, dann wird einem doch eher übel.

ES GIBT ABER GUTE NACHRICHTEN:
Der entscheidende Parameter in der Simulation ist oben halb-links platziert und heisst R0: Das ist die Zahl der Menschen, die jeder Kranke im Schnitt ansteckt.

Aktuell sind das im Schnitt 2.7. Schon wenn wir es nur schaffen, diese 2.7 auf 2.2 zu drücken, kommen wir dramatisch viel näher an die Kapazitätsgrenzen des Gesundheitssystems. Alle anderen Zahlen (insbesondere «Seasonal Forcing», also wie abhängig der Virus von der Jahreszeit ist) sind auch wichtig, weil sie beeinflussen, wie lange wir mit dem Problem kämpfen, aber die ganz grosse Schraube ist R0. Und dann wird es extrem einfach: Je weniger Sozialkontakte jeder von uns hat, desto kleiner wird R0.

Also: Netflix an, Chips und Getränke vom Lieferdienst vor die Tür stellen lassen und entspannte nächste Wochen. Oder Klavier lernen. Oder Chinesisch. Oder was auch immer schon Mal auf Eurem Zettel stand. Aber auf keinen Fall die eigenen Eltern besuchen. Denn die, die sterben, sind nicht die Jungen. Die, die sterben, sind die Alten – das sieht man in der Simulation unten rechts, wenn man mal ein wenig scrollt.

Wir wünschen Euch gute Gesundheit und starke Nerven für die kommende Zeit.



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